Pause ist kein Luxus: Warum Pausen für Selbstständige unverzichtbar sind

Im Herbst 2023 wurde ich von einer Journalistin zum Thema „Pausen in der Selbstständigkeit“ für das AOK Magazin „Gesundes Unternehmen“ interviewt.  Warum Pausen auch für Selbstständige zum langfristigen Erhalt der Leistungsfähigkeit und Kreativität unabdingbar sind, lesen Sie hier in der  Zusammenfassung meines Beitrags.

Selbstständige sind häufig mit großer Leidenschaft bei der Arbeit. Sie identifizieren sich mit ihrem Unternehmen, tragen die Verantwortung für Kunden, Aufträge und Einnahmen und möchten jederzeit zuverlässig erreichbar sein. Dabei geraten die eigenen Bedürfnisse schnell in den Hintergrund. Das Mittagessen wird am Schreibtisch eingenommen, der geplante Spaziergang fällt einem dringenden Auftrag zum Opfer und selbst am Wochenende werden noch E-Mails beantwortet.

Was kurzfristig nach besonderem Engagement aussieht, kann langfristig jedoch die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Denn unser Körper und unser Gehirn sind nicht dafür ausgelegt, dauerhaft unter Anspannung zu arbeiten. Sie benötigen einen regelmäßigen Wechsel zwischen Aktivität und Erholung.

Dauerstress beeinträchtigt Denken und Kreativität

In belastenden Situationen schaltet unser Körper auf ein biologisches Alarmprogramm um. Puls und Atmung beschleunigen sich, die Muskulatur spannt sich an und Stresshormone werden ausgeschüttet. Kurzfristig kann uns diese Reaktion helfen, Herausforderungen zu bewältigen.

Bleibt die notwendige Entspannung jedoch aus, fällt es zunehmend schwerer, konzentriert, kreativ und lösungsorientiert zu arbeiten. Gerade Selbstständige sind aber auf genau diese Fähigkeiten angewiesen: Sie müssen gute Entscheidungen treffen, neue Ideen entwickeln, Probleme lösen und den Überblick über ihr Unternehmen behalten.

Pausen sind deshalb keine verlorene Arbeitszeit. Sie schaffen vielmehr die Voraussetzung dafür, anschließend wieder aufmerksam, leistungsfähig und kreativ arbeiten zu können.

Termine mit sich selbst ernst nehmen

Ein Kundentermin wird normalerweise nur in einem echten Notfall abgesagt. Ein Spaziergang, eine Sporteinheit oder ein ruhiges Mittagessen wird dagegen häufig als Erstes aus dem Kalender gestrichen.

Dabei sollten Verabredungen mit uns selbst dieselbe Verbindlichkeit erhalten wie berufliche Termine. Wer eine Pause fest einplant, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sie tatsächlich einzuhalten. Das kann eine halbe Stunde für ein Mittagessen sein, ein Spaziergang am Nachmittag oder eine feste Zeit, zu der der Arbeitstag endet.

Auch kleine persönliche Rituale können helfen. Eine kurze Auszeit in einem Café, ein Espresso, das Blättern in einer Zeitschrift oder einfach das Beobachten der Umgebung schaffen Abstand zur Arbeit. Entscheidend ist, den Arbeitsplatz für einen Moment auch gedanklich zu verlassen.

Kleine Pausen entfalten eine große Wirkung

Erholung muss nicht immer aus einem mehrwöchigen Urlaub bestehen. Bereits kurze Unterbrechungen während des Arbeitstages können dazu beitragen, Anspannung abzubauen.

Hilfreich sind beispielsweise:

  • aufstehen und sich ausgiebig strecken,
  • ein Glas Wasser trinken,
  • einige Minuten bewusst aus dem Fenster schauen,
  • eine kurze Atemübung machen,
  • zur Lieblingsmusik tanzen,
  • einmal um den Häuserblock gehen,
  • in Ruhe und ohne Bildschirm zu Mittag essen.

Eine wirkliche Pause sollte möglichst einen Gegenpol zur vorherigen Tätigkeit bilden. Wer stundenlang am Computer gearbeitet hat, erholt sich meist besser durch Bewegung oder frische Luft als durch das Scrollen auf dem Smartphone.

Urlaub beginnt mit guter Planung

Viele Selbstständige fürchten, während eines Urlaubs Aufträge oder Kunden zu verlieren. Hinzu kommt der mögliche Verdienstausfall. Deshalb werden längere Auszeiten immer wieder verschoben.

Urlaub sollte jedoch nicht erst dann stattfinden, wenn zufällig eine ruhige Phase eintritt. Sinnvoller ist es, freie Zeiten frühzeitig im Jahr festzulegen und den Kunden rechtzeitig mitzuteilen. Auch bei der Preisgestaltung und Finanzplanung sollten regelmäßige Urlaubszeiten berücksichtigt werden.

Je nach Tätigkeit kann außerdem eine gegenseitige Vertretung mit anderen Selbstständigen vereinbart werden. Automatisierte E-Mail-Antworten, klare Absprachen und eine gute Vorbereitung sorgen dafür, dass die Gedanken im Urlaub nicht ständig zum Unternehmen zurückkehren.

Loslassen lässt sich lernen

Für viele Selbstständige ist nicht nur der volle Terminkalender ein Problem. Häufig fällt es ihnen grundsätzlich schwer, Verantwortung abzugeben. Sie haben das Gefühl, alles selbst kontrollieren zu müssen.

Doch Aufgaben zu delegieren, Abläufe zu automatisieren und sich auf die wirklich wichtigen Tätigkeiten zu konzentrieren, kann Freiräume schaffen. Nicht jede administrative Aufgabe muss von der Unternehmerin oder dem Unternehmer persönlich erledigt werden.

Loslassen bedeutet nicht, weniger engagiert zu sein. Es bedeutet, mit den eigenen Kräften verantwortungsvoll umzugehen.

Erholung schützt auch das Unternehmen

Die persönliche Gesundheit ist für Selbstständige eine der wichtigsten wirtschaftlichen Ressourcen. Wer dauerhaft erschöpft ist oder krankheitsbedingt vollständig ausfällt, kann sein Unternehmen möglicherweise über einen längeren Zeitraum nicht führen.

Regelmäßige Pausen, arbeitsfreie Abende und echte Urlaubszeiten sind deshalb keine Belohnung, die man sich erst nach getaner Arbeit verdienen muss. Sie gehören zu einem professionellen Selbstmanagement.

Langfristig erfolgreich ist nicht, wer ständig arbeitet. Erfolgreich ist, wer seine Energie so einsetzt, dass Leistungsfähigkeit, Kreativität und Freude an der eigenen Tätigkeit erhalten bleiben.

Ihnen fällt es schwer, sich abzugrenzen oder abzuschalten? Lassen Sie uns ein unverbindliches Kennenlerngespräch führen, um zu schauen, wie ich Sie unterstützen kann! Schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an unter 0173-4344441!